Energiearmut als neues soziales Problem? (2013-2015)

Auch in Deutschland nimmt allen Indizien zufolge die Zahl der Haushalte zu, deren Energiekosten so hoch sind, dass sie dadurch armutsgefährdet sind. Wie stark verbreitet die so genannte „Energiearmut" ist, wer davon betroffen ist und wie sich Verbraucherinnen und Verbraucher in solchen Situationen verhalten, ist jedoch weitgehend unerforscht. Es fehlen sowohl praktikable Definitionen als auch geeignete Erhebungsinstrumente.

In dem Projekt werden verfügbare Daten aus unterschiedlichen Quellen analysiert und kombiniert, um Erkenntnisse über die Ursachen, Verbreitung und Konsequenzen von Energiearmut zu gewinnen. Ein solches Projekt schließt nicht nur eine wichtige Forschungslücke, es ist auch politisch relevant. Denn die Europäische Kommission hat die Mitgliedsstaaten aufgefordert, die Gruppe der schutzbedürftigen Energienutzer zu definieren und Maßnahmen zur Bekämpfung von Energiearmut vorzuschlagen. Deutschland ist dieser Aufforderung bislang nicht nachgekommen.

Die Verbraucherpolitik betrachtet inzwischen stärker die so genannten „verletzlichen" Verbraucher, denen es schwerfällt, existenzielle Güter wie Energie, Wohnen oder soziale Sicherung zu finanzieren. Das Projekt hat daher auch die Aufgabe, die Gruppe der verletzlichen Verbraucher in der Energieversorgung systematisch zu erfassen und ihre Situation zu analysieren.

Aus einer solchen Erhebung können dann Rückschlüsse gezogen werden, in welcher Weise die Verbraucherpolitik die Entstehung von Energiearmut verhindern oder ihre Folgen abmildern kann. Das Projekt liefert außerdem grundlegende empirische Erkenntnisse darüber, wie Verbraucherinnen und Verbraucher mit Energie umgehen. Es liefert auch Impulse für die Armutsforschung, da es Erkenntnisse über Armutsursachen liefert, die mit Ausgaben sowie mit der Lebens- und Wohnsituation zusammenhängen.

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